Statt auf klassische Stellenanzeigen setzen immer mehr Unternehmen beim Vergeben ihrer Jobs auf den verdeckten Stellenmarkt: Interne Ausschreibungen, Recruiter*innen und Empfehlungen ihrer Mitarbeitenden. Nicht selten kommt es vor, dass Positionen ausgeschrieben werden, obwohl sie intern längst vergeben wurden. Was also tun, wenn man noch nicht im gewünschten Unternehmen verwurzelt ist?
Die Antwort könnte naheliegender kaum sein: Netzwerken ist angesagt, denn das eigene Netzwerk muss aktiviert werden. Doch wie soll das funktionieren, wenn einem Vitamin B nicht gerade in die Wiege gelegt wurde? Ist die Chance schon vertan, wenn der Vater nicht der Konzernchef ist, die beste Freundin kein hohes Tier in der Führungsebene oder die Paten keine leitenden Positionen im Wunschunternehmen innehaben? Nein, denn Netzwerken ist leichter als du vielleicht denkst.
Viele Jobsuchende sitzen dem Irrglauben auf, dass Kontakte zu Personen im einfachen Angestelltenverhältnis keinen wirklichen Mehrwert für die Bewerbungsaktivitäten haben. Schnell kommt die Frage auf: „Wie sinnvoll ist ‚Netzwerken‘ für mich, wenn ich keine Führungskräfte kenne?“
Und genau da liegt der Hase im sprichwörtlichen Pfeffer, denn jede*r hat ein Netzwerk und jede*r kann netzwerken, ob extrovertiert oder introvertiert. Wie du das für dich passende Netzwerk aktivierst, wie entscheidend dabei deine Präsenz – sowohl online als auch offline – ist und welche Wege dir helfen können, um an dein Ziel „neuer Job“ zu gelangen, verraten wir dir in diesem Artikel.
Vitamin B nicht gleich Netzwerken
Seit Jahrzehnten sprechen Eltern, Lehrer*innen, Dozent*innen, Arbeitsvermittler*innen, aber auch Medien vom sogenannten Vitamin B, einer persönlichen Beziehung – oftmals der Eltern – zu Entscheidungsträger*innen im Unternehmen, die denjenigen, die Zugang dazu haben, berufliche Vorteile verschafft. Kein Wunder also, dass wir in unseren Vorträgen und Beratungen immer wieder auf Menschen treffen, die betonen: „Sie mögen vielleicht über Vitamin B verfügen, ich aber nicht.“ Dass es in Zeiten der Digitalisierung aber längst nicht mehr entscheidend ist, ausschließlich mit hochgestellten Führungspersonen durch „Zufall“ gut bekannt zu sein, ist durch alle Generationen hinweg noch nicht jedem klar. Auch viele Absolvent*innen meinen noch immer, nur mit „Connections“ weiterzukommen.
Vielmehr wird es beim Netzwerken zunehmend bedeutsamer, sich nicht auf ein in die Wiege gelegtes Vitamin B zu Führungskräften zu verlassen, sondern sich selbst aktiv ein berufliches Netzwerk – bestehend aus Menschen aller möglichen beruflichen Karrierestufen und Positionen – aufzubauen. Gerade die ‚normalen Angestellten‘ auf Augenhöhe haben letztlich oft die höchste Relevanz für das eigene berufliche Voranschreiten. „Aber Wildfremde ansprechen? Nein Danke!“, schießt dir gerade durch den Kopf? Das musst du auch nicht. Es gibt verschiedene Wege, sich dem Thema zu nähern. Natürlich kommt man nur selten um den persönlichen Kontakt herum, aber es müssen ja nicht gleich die Wildfremden sein. Ganz im Gegenteil.
Jede*r hat ein Netzwerk!
Aller Anfang ist schwer, das gilt natürlich auch für das Netzwerken. Insbesondere wenn man als Berufseinsteiger*in noch kein solides und strapazierfähiges Netzwerk für sich ausmachen kann, nicht weiß, was „Netzwerken“ eigentlich bedeutet oder wie es funktioniert. Aber auch dann, wenn man als Wieder- oder Quereinsteiger*in unlängst den Blick für das eigene Netzwerk verloren hat oder die falschen Kontakte zu haben meint. Doch falsch gedacht!
Ganz gleich ob wenig bis keine Berufserfahrung oder längere Karrierepausen, alle Menschen verfügen über ein eigenes Netzwerk. Sie müssen es sich nur bewusst vor Augen führen. Wir alle haben Familie, Freunde, Bekannte und ehemaligen Studien- und Arbeitskolleg*innen. Und diese Menschen gilt es zu kontaktieren und sich mit allen, die den eigenen Lebensweg gekreuzt haben, online zu vernetzen, um die eigenen Fühler ausstrecken zu können. Dabei helfen insbesondere Businessnetzwerke wie LinkedIn (manchmal auch die anderen Socials), aber auch ein Blick in alte Adresslisten kann sich lohnen.
Der verdeckte Stellenmarkt: Mit Netzwerken zum Job
Selbst wenn diese Vernetzung auf den ersten Blick keinen offensichtlichen Vorteil zu haben scheint, kann sich dies im Laufe des Berufslebens durch Positionswechsel und Kontakte ändern. Dein Netzwerk kann schließlich auch durch die Kontakte deiner Kontakte wachsen und dir im im Fall von LinkedIn zu einer besseren Sichtbarkeit deines Profils verhelfen. Zudem könnt ihr euch beruflich unterstützen und miteinander kooperieren. Oftmals genügt aber auch schon ein zweiter Blick, der neben diesen Vorzügen noch einen weiteren Vorteil offline erkennbar werden lässt.
Stell dir also vor, der nette Herr von Nebenan arbeitet als Kfz-Meister für einen Autohersteller, und deine damalige Schulkameradin ist mittlerweile die Social-Media-Managerin einer Immobiliengesellschaft. Wenn eines der beiden Unternehmen nun im Umfeld ihrer Angestellten nach passenden Kontakten sucht und du durch Systematisches Kaffeetrinken – wie Lars Hahn es nennt –, in der Kontaktliste des Mitarbeiters stehst – sowohl online als auch offline –, kann dir das durchaus Türen in die jeweilige Firma öffnen. Im verdeckten Stellenmarkt geht es letztlich nämlich immer um Empfehlungen. ‚Empfohlen werden‘ kannst du aber nur, wenn du dich sichtbar machst.
Denn Firmen beschäftigen für gewöhnlich nicht nur eine Berufsgruppe, sondern suchen auch Spezialist*innen anderer Tätigkeitsfelder, wie Ingenieure, Marketer, Juristen, Datenschützer*innen und Kaufleute, und legen zunehmend Wert auf Mitarbeiterempfehlungen. Sei es durch online bestätigte Fachkenntnis oder klassisch über das Einreichen meiner Bewerbung durch die mir bekannte Person. Netzwerken, also der Ausbau und die Pflege deiner Kontakte, kann für deine Jobsuche daher sehr förderlich sein.
Wenn der eigene Bekannten-, Freunde- und Familienkreis online im eigenen Netzwerk angekommen ist, kann sich dann die Frage nach den Möglichkeiten der Erweiterung dieses Netzwerks stellen. Schließlich hat – wie eingangs erwähnt – nicht jede*r im direkten Bekanntenkreis die Person, die an der Stelle arbeitet, an die man selber möchte. Doch wie geht es dann weiter?
Der Aufbau und die Pflege des eigenen Netzwerks sind entscheidend!
Das fragten sich auch einige Mitarbeiter*innen der LVQ in ihrer Phase der Jobsuche. Während unsere Referentin für Außenbeziehungen, Meie Jäger, eine Mitarbeiterempfehlung für ihre ehemalige Schulfreundin Helene Thiessen, nun Kunden- und Praktikantenbetreuerin bei uns, aussprach und somit die genannten Kontakte ersten Grades aktivierte, lief es für mich anders. Ich war aufgefordert, über mein bestehendes Netzwerk hinauszublicken, einen anderen Weg zu finden und in bester Manier netzwerken zu gehen.
Durch meine Entscheidung, eine Weiterbildung zu machen, ergab sich letztlich alles von selbst. Ich lernte viele neue Gesichter kennen, sodass mein Netzwerk – wie zu Studien-, Praktikums- oder Arbeitszeiten – quasi von selbst wuchs. Dank weiterhin bestehendem Kontakt zu den Mitarbeiter*innen fand ich als ehemalige Teilnehmerin meinen Weg zur LVQ zurück.
Was kannst du daraus für dich mitnehmen?
Ob nun Vitamin B, Netzwerken, Systematisch Kaffeetrinken, Empfehlung oder Präsenzbewerbung – eines haben sie alle gemeinsam: Ein gewisses Zutun deinerseits ist erforderlich. Während Vitamin B oftmals durch den engen Familien- und Freundeskreis geschenkt wird und wenn überhaupt nur für wenige klappt, ist es in der heutigen Zeit aber umso wichtiger, über diesen Tellerrand hinaus zu agieren.
Natürlich sollte auch mit Familie, Freunden und Bekannten weiterhin systematisch Kaffee getrunken werden, aber insbesondere durch die Social-Media-Kanäle eröffnen sich weitere Möglichkeiten, dies auch mit neuen Gesichtern zu tun. Dabei können zwei Wege eingeschlagen werden. Entweder man macht in der Online-Welt durch Gruppenbeiträge sowie ein gepflegtes Profil auf sich aufmerksam und trägt das Kennenlernen dann in die Offline-Welt, oder man kommt offline mit Entscheidungsträger*innen ins Gespräch und nutzt die Gelegenheit, sich folglich auch online zu vernetzen.
Ganz gleich für welche Methode du dich entscheidest, wir wünschen dir viel Erfolg für den Auf- und Ausbau deines Netzwerks sowie für deine Jobsuche!
Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.
Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.
Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.



1 Kommentar
Dieter Piro
Ing.
Ja Klar, hier gilt das Sowohl als Auch ! Zusätzlich noch die speziellen ZielGruppenBriefe!
Ist eine Menge Arbeit! Aber als sonst Arbeitender hat man ja auch „für andere Leute“ einen 8 Stundentag + auch Überstunden ! Also für sich selbst auch mal was tun !
Wir haben in unserem Zertifizierten Trainee Center in Technik und im Kaufmännischen auch per BildungsGutschein weitergebildet und praktisch gearbeitet – wir waren eigentlich keine „Schule“ sondern ein Büro, das so gearbeitet hat, wie unsere Kunden dies gewohnt waren und das ist mit der Grund, daß wir eine WiedereingliederungsQuote von über 60 % hatten. Heute bin ich immer noch zwischen den Firmen, welche den absoluten Spezialisten suchen und den Bewerbenden, die zunächst ihre ganzen Hightlights nicht rüber bringen für diesen Job, als Vermittler freiberuflich und ehrenamtlich u.a. als Bezirksgruppenleiter des VDI Verein Deutscher Ingenieure mit einer BewerbungsUnterlagenAnalyse im Saarland tätig.
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