Kreative Bewerbung: Die Social-Media-Bewerbung (5)
Du bist auf Jobsuche und hast gerade ein interessantes Stellenangebot entdeckt? Nun überlegst du, wie du dich schon in deiner Bewerbung effektiv von deinen Mitbewerbenden abgrenzen kannst? Wie wäre es mit einer Bewerbung, die ganz auf deine spätere Tätigkeit sowie die Bedarfe deines Wunschunternehmens gemünzt ist und die Aufmerksamkeit deines Wunscharbeitgebers weckt? „Der Köder muss dem Fisch schließlich schmecken“, besagt ein Sprichwort.
Gerade in Zeiten, in denen über die Sinnhaftigkeit des Anschreibens diskutiert wird und die digitale Transformation zunehmend voranschreitet, kann es sich lohnen, das klassische Anschreiben durch kreative Bausteine zu ergänzen oder gar zu ersetzen. Insbesondere Social-Media-Elemente, aber auch die komplette Gestaltung von Social-Media-Plattformen eignen sich zur Einbindung in die eigenen Bewerbungsaktivitäten.
Wie genau eine solche „Social-Media-Bewerbung“ aussehen kann und welche Möglichkeiten sie bietet, zeigen wir im Rahmen unserer Serie Kreativbewerbung anhand von realen Beispielen aus dem Netz.
Was ist überhaupt eine Social-Media-Bewerbung?
In Zeiten der Digitalisierung nehmen auch Social Media einen immer größeren Stellenwert im Bewerbungsprozess ein. So verlassen Recruiter:innen sich nicht mehr nur auf die vom/von der Bewerber:in bereitgestellten Angaben aus den klassischen Bewerbungsunterlagen, sondern suchen oftmals nach zusätzlichen Informationen im Netz. Immer mehr Kandidat:innen stellen diese in Form ihres Lebenslaufs auch freiwillig zur Verfügung – zumindest auf XING und LinkedIn.
Gute Profile in den Business-Netzwerken bedeuten aber keineswegs gleich eine Social-Media-Bewerbung, denn optimierte Profile sind mittlerweile integraler Bestandteil der Jobsuche und gerade in Bezug auf den verdeckten Stellenmarkt von großem Nutzen. Aus unserer Sicht geht eine Social-Media-Bewerbung daher über die bloße Bereitstellung von Informationen hinaus, indem sie einen kreativen und gestalterischen Mehrwert bietet. Das kann bedeuten, dass eine Bewerbung in ein Social-Media-Profil eingebettet ist oder aber dass durch gestalterisches Können ein solches Layout online auf der eigenen Website oder „offline“ für die zu verschickenden Bewerbungsunterlagen nachgebaut wird.
Facebook, Pinterest und Co.: Beispiele für eine Social-Media-Bewerbung
Wie eine Social-Media-Bewerbung ausgestaltet und „an den Mann / die Frau gebracht“ werden kann und welche Kanäle dazu wie zum Einsatz kommen können, zeigen folgende Beispiele:
- Brandon Kleinman auf seinem Facebook-Profil:
Zusätzlich zur klassischen Standardbewerbung hat der Amerikaner ein auf einer Schultafel verfasstes Kurzanschreiben in seine Facebook-Galerie geladen: Beruflicher Hintergrund, Qualifikationen und ein kurzes Recap seiner Person auf einen Blick. Clever, wenn man bedenkt, dass viele Arbeitgeber sich vorab im Netz über Bewerber:innen informieren. - Cara Shikura mit ihrem Instagam-Profil:
Die Kommunikationsdesignerin hat in Anlehnung an den Auftritt Ihres Wunscharbeitgebers auf einem Event ebenfalls 100 Gründe in 100 Postings benannt, die für sie als Person und als neue Junior-Art-Direktorin bei der Kreativagentur sprechen. Mit ihrer originellen Idee angelte sie sich so den Job beim Wunscharbeitgeber. - Constanze Wolff auf XING:
Auch als Freiberufler:in muss man sich regelmäßig um seine Kund:innen bemühen, um sich seine eigene Anstellung zu sichern. Die freiberufliche PR-Beraterin nutzt daher das Portfolio von XING, um sich und ihre Services zu bewerben und Kund:innen zu gewinnen. Gleichfalls kann das Portfolio aber auch für ein Anschreiben als Angestellte:r genutzt werden.



- Philippe Dubost „auf Amazon“:
Im Gegensatz zu den vorher Genannten hat der Franzose nicht die Plattform selbst herangezogen, sondern das Erscheinungsbild imitiert und auf seiner Website nachgebaut. Dort hat er sich und seine Fähigkeiten als Produkt angepriesen. Amazons Sektion „Kundenrezension“ hat er dabei zum einen für seinen beruflichen Hintergrund, zum anderen für Kurzempfehlungen damaliger Arbeitskolleg:innen und Chef:innen genutzt. Mit Erfolg: Nach zwei Monaten und 1,5 Mio. Besucher:innen fand er eine Anstellung. Eine geniale Idee, die neben Kreativität auch gestalterisches und technisches Können zeigt. - Toby Kronwitter, Michael Mahle auf Pinterest:
Während Kronwitter seinen Lebenslauf und einige Besonderheiten seines Lebens in Boards auf Pinterest nachgezeichnet hat, visualisierte Mahle seinen CV innerhalb eines Bildes. Eine gute Möglichkeit, zusätzlich auf seine gestalterischen Fähigkeiten aufmerksam zu machen. - Victor Petit auf Vimeo:
Auf der Rückseite seines relativ klassisch gestalteten Lebenslaufs platzierte der Franzose einen QR-Code, der zu einem Video führte, in dem Petit stimmlich nochmals unterstreichen konnte, was zuvor in Papierform gelesen wurde.



Natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten, eine Social-Media-Bewerbung aufzuziehen. Du kannst:
- ein als Blogartikel getarntes Anschreiben mithilfe des Publishing-Tools von LinkedIn verfassen,
- eine Facebook-Page erstellen, in die du deinen Lebenslauf einpflegst oder
- auf der du durch verschiedene Posts ein Storytelling-Anschreiben veröffentlichst.
Mit der Bewerbung die richtige Antwort parat haben
Damit deine Social-Media-Bewerbung den gewünschten Effekt erzielt, hilft ein Vorab-Blick auf die Aktivitäten deines Wunschunternehmens auf den jeweiligen Plattformen: Wie gestalten sich Ansprache und Wortwahl? Welche Plattform ist dem Arbeitgeber besonders wichtig? Arbeitet deine Wunschfirma mit Grafiken, Bildern, Videos oder gar GIFs? Lass dich davon inspirieren, geh auf den wichtigsten Kanal ein und nutz die Macht der Wiedererkennung, indem du deinen Sprachstil an- und passende Medien entlehnst.
Du stellst damit heraus, dass du dich mit dem Arbeitgeber und seinem Social-Media-Auftritt auseinandergesetzt hast und dass du die Wünsche und Bedarfe deines Wunschunternehmens erkennen sowie umsetzen kannst. Ohne dass du es explizit erwähnen müsstest, zeigst du, dass du genau weißt, wie du deinen Content zielgruppengerecht und kanalspezifisch formulierst. Eine Social-Media-Bewerbung hinterlässt dabei nicht nur einen bleibenden Eindruck, sondern dient gleichzeitig auch als Arbeitsprobe. Du erinnerst dich an den erwähnten Köder?
Social-Media-Bewerbung: ja oder nein?
Welche Form der Social-Media-Bewerbung es werden soll, was zu beachten ist und ob du dieses Format überhaupt in Erwägung ziehen willst, hängt letztlich von einigen Faktoren ab:
- Wie viel Zeit willst du in deine Bewerbung investieren?
- Traust du dir eine Fotobearbeitung mit entsprechenden Programmen wie Photoshop, Indesign oder Canva zu?
- Möchtest du deine Bewerbung öffentlich in den Social Media vertreten sehen und möglicherweise die „Aufmerksamkeit des Internets“ auf dich ziehen?
- Hast du das Einverständnis ehemaliger Kolleg:innen und Arbeitgeber zur öffentlichen Nutzung von Referenzen?
- Passt diese Form der Bewerbung tatsächlich zu deiner Branche und zum Wunschunternehmen?
Die Mitbewerber:innen hinter sich lassen
Ob nun konventionelle Bewerbung im Social-Media-Gewand, originelle Ergänzung der eigenen Bewerbung mithilfe von Social-Media-Elementen oder gestalterische und kreative Totalentfaltung: Es stehen dir verschiedene Wege offen, deiner Bewerbung einen gewissen „Pepp“ zu verleihen und dich von deiner Konkurrenz abzuheben. Sowohl gestalterisch als auch inhaltlich bietet der kreative Ansatz der Social-Media-Bewerbung spannende Möglichkeiten. Zeitintensiver und aufwändiger bietet er sich aber in erster Linie dann an, wenn es sich um dein absolutes Wunschunternehmen handelt und die Stellenausschreibung geradezu „danach schreit“.
Als Digital Native oder Social-Media-affine:r Kandidat:in, der/die ein echtes Interesse an den Bedarfen des Unternehmens hat, fällst du so nicht nur positiv auf, sondern bleibst deinem Wunscharbeitgeber auch in Erinnerng. Das kann dir wertvolle Bonuspunkte gegenüber deinen Mitkandidat:innen einbringen und dich deinem Wunschjob einen Schritt näher bringen. Denk an den Köder und den Fisch.
In diesem Sinne wünschen wir dir viel Erfolg bei der Jobsuche und dem Verfassen deiner Social-Media-Bewerbung. Bist du schon dabei?
Zur kompletten Serie „Kreative Bewerbung“:
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Angela Borin
Angela Borin ist die Leiterin Online-Marketing und digitale Kommunikation bei der LVQ. Seit Ende ihres Studiums sammelte die Sprachwissenschaftlerin strategisch und umsetzend Erfahrungen in Blog, Social Media und Online-Marketing bei einer Agentur, bei uns als Weiterbildungsinstitut und in der Dentalbranche. Zwischen ihren beruflichen Stationen hat Angela immer wieder neue Wege der Jobsuche ausprobiert und selbst zwei Weiterbildungen bei uns im Haus absolviert. Dadurch hat sie enge Berührungspunkte mit unseren ehemaligen sowie derzeitigen Teilnehmenden und lässt diese und andere Jobsuchende in ihren Artikeln rund um Berufsorientierung, Jobsuche, (Kreativ-)bewerbung, Netzwerken und Weiterbildung an ihren Erfahrungen teilhaben. [...]
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