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Jobsuche

Jobsuche ab 50. Wirklich zu alt für den Arbeitsmarkt?

Lars Hahn30.05.2017
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„Mit 50 ist man zu alt für den Arbeitsmarkt!“

Viele Menschen gehen mit dieser These durch die Arbeitswelt: Personalentscheider, Führungskräfte, stellenanzeigenverantwortliche Personaler, Jobsuchende. Interessanterweise sind viele von denen, die das glauben selbst 50 Jahre oder älter.

„Mit 50 ist man zu alt für den Arbeitsmarkt!“

Dieses vor etwa 20 Jahren erschaffene Monster-Statement hatte seinerzeit durchaus seine Berechtigung. Lag noch im Jahr 2000 die Erwerbsquote von Menschen ab 50 bei unter 50 Prozent.

Es war die Zeit der Frühverrentungsprogramme. Besonders Konzerne entledigten sich der älteren Mitarbeiter, oft Erfahrungsträger, mit Abfindungsprogrammen, Altersteilzeit, bittersüß finanzierter Langzeitarbeitslosigkeit in die Rente hinein. Zu blöd: Ältere in kleineren Unternehmen gingen direkt in die Arbeitslosigkeit und nach erfolgloser Jobsuche direkt in das neu erschaffene Hartz IV.

Gefühlt jede Einrichtung, die „irgendwas mit Arbeitsmarkt“ machte, veranstaltete ein Projekt für „50 Plus“, „Best Ager“, „Silver Workers“ oder wie man die lebens- und berufserfahrenen Arbeitskräfte auch immer nannte. Die LVQ war auch mit an Bord und ich Mitdreißiger war Projektleiter unseres 50-Plus-Projekts.

So war das. Auch noch vor zehn Jahren. Die Menschen – selbst viele Betroffene – haben das damals geglaubt:

„Mit 50 ist man zu alt für den Arbeitsmarkt!“

Wie das so ist mit Glaubenssätzen: Man kriegt sie nur schwer wieder raus aus den Köpfen der Menschen.

Jetzt haben wir 2017, viele Menschen denken immer noch, dass Ältere am Arbeitsmarkt nur mit Schwierigkeiten einen neuen Job finden. „Schwer vermittelbar.“

Dabei haben erfahrene Mitarbeiter im Unternehmen viel zu bieten, wie unser Kollege Dr. Bernd Slaghuis kürzlich über „alte Hasen“ schrieb: Lebenserfahrung, Routine, Krisenresistenz, Standing gegenüber Vorgesetzten, Selbstreflexion.

Mittlerweile bin ich selbst knapp 50 und somit bestens geeignet, die aktuelle Lage mal genauer zu betrachten:

Arbeitsmarkt für Erfahrene – Aktuelle Zahlen

Der Wind auf dem Arbeitsmarkt für 50+-Jobsuchende scheint sich in der Tat gedreht zu haben. Deutlich wird das zum Beispiel an aktuellen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zur Erwerbstätigenquote von Erfahrenen: „Im Jahr 2014 waren hierzulande 77 Prozent der 55­ bis 59­-jährigen erwerbstätig, bei den 60­ bis 64-­jährigen war es gut jeder Zweite. Im Jahr 2000 lagen die jeweiligen Anteile noch bei 57 Prozent und 20 Prozent.“ Und sie geben gleich eine Begründung für die Veränderung: „In Deutschland wurden die Möglichkeiten für einen Vorruhestand bereits vor Jahren erheblich eingeschränkt.“ Zu tun habe das mit dem demografischen Wandel und dem hohen Bedarf an (erfahrenen) Fachkräften.

Das IAB prognostiziert: „Auch bei der Beschäftigung Älterer steht Deutschland schon jetzt vergleichsweise gut da. Trotzdem wird bei den Älteren voraussichtlich noch eine stärkere Arbeitsmarktpartizipation zu beobachten sein.“ (Arbeitsmarkt kompakt – Analysen, Daten, Fakten. IAB 2017, E-Book download hier)

Arbeitsmarkt 50 Plus – Wie es läuft

Die Recherche in Jobbörsen und Stellenportalen ergibt immer häufiger echte „Senior“-Stellen. Die Plattformen XING-ProJobs und Experteer.de kümmern sich ausdrücklich und rührig um die Jobsuchenden mit langer Berufserfahrung.

Hier in der LVQ machen wir übrigens auch die Erfahrung, dass Teilnehmer mit mehreren Jahrzehnten Berufserfahrung oft am Arbeitsmarkt sehr gefragt sind und nach ihrer Weiterbildung in gute Beschäftigungsverhältnisse gehen. Als Angestellte in Unternehmen. Zu Konditionen, die passen. Mit Vollzeit, Dienstwagen, Krankenversicherung und Rentenbeiträgen, wenn diese wollen.

Vor zehn Jahren noch gingen viele unserer „Best Ager“ aus der Weiterbildung in die Selbständigkeit oder Freiberuflichkeit mangels Alternativen (was nicht immer die schlechteste Lösung war).

Alles easy auf dem Arbeitsmarkt für Bewerber ab 50?

rp_Bewerbung-Jobsuche-Ausland-300x225.jpgHeute hingegen: Gute Chancen auf eine Festanstellung.

Also alles easy bei der Jobsuche für Menschen ab 50?

So ganz einfach ist es dann doch nicht. Viele erfahrene Bewerber merken, dass die Bewerbung auf eine Stellenanzeige nach wie vor schwierig ist. Bei einem Stapel von 80 oder mehr Bewerbern würde dann doch der Jüngere bevorzugt, ist dann oft das Argument. Mein zusätzlicher Verdacht: Gerade die Personalexperten hängen noch an dem oben zitierten Glaubenssatz.

Oftmals scheitern klassische Jobanbahnungen auch an hohen Erwartungen auf beiden Seiten: Manche Bewerber ab 50 rechnen mit einem Karriereschub – das muss heutzutage aber nicht mehr automatisch sein. Andere wollen gar downshiften, also weniger Verantwortung, durchaus bei weniger Gehalt, auch das ist kein Selbstläufer. Unternehmen haben oft hohen Respekt vor Bewerbern ab 50 oder schubladisieren sie in die Kategorie der schwer formbaren.

Jobsuche und Bewerbung ab 50 – Kontakte, Empfehlungen, Netzwerke

Wenn ich die erfolgreichen Bewerber ab 50 frage, wie sie an ihren Job letztlich gekommen sind, antworten die meisten: Über Kontakte, Empfehlungen, die aktive Nutzung von Xing, LinkedIn, Experteer. Einer von denen bekam seinen Job ausgerechnet über die Startup-Plattform Truffls, dem Tinder für die Jobsuche.

Meine Erfahrung: Aktive Jobsuche jenseits der Stellenbörsen ist ab 50 wichtiger denn je. Der eigenen Marktforschung, dem Knüpfen von Kontakten, dem eigenverantwortlichen Besorgen von Gesprächen über Xing und Linkedin sollte das Hauptaugenmerk gelten. Wenn der Kontakt hergestellt ist, man den Fuß in der Tür hat, kann ich ja immer noch einen Lebenslauf als PDF schicken. Aber erst dann, wenn zuvor Persönlichkeit Papier geschlagen hat.

Denn meine für die heutige Zeit modifizierte These von oben lautet etwas überzogen und zugespitzt:

„Mit 50 ist man zu alt für die Stellenbörsen!“

Und jetzt Sie!

Welche Erfahrung haben Sie mit der Jobsuche ab 50?

Disclaimer: Viele Jobsuchende ab 50 sind es nicht gewohnt, sich zu bewerben und für sich zu werben. Natürlich benötigen auch sie gute Unterlagen, optimale Profile in den Businessnetzwerken als Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Jobsuche. Und eine Haltung von professioneller demütiger Neugier für die neue berufliche Herausforderung erleichtert den Einstieg.

Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.

Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.

Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.

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