Kreative Bewerbung: Das Anschreiben im Magazinstil (4)

Im vorangegangenen Teil unserer Serie Kreativbewerbung haben wir den gestalterischen und inhaltlichen Aufbau eines Anschreibens im Zeitungsformat vorgestellt. Natürlich lässt sich deine Bewerbung visuell aber auch an ein Magazin anlehnen.
Soll deine Bewerbung zum Beispiel an eine Agentur verschickt werden oder bewirbst du dich auf eine Stelle als Online-Redakteur:in, kann ein Anschreiben im Magazinstil eine bessere Wahl sein als das Zeitungsformat. Vor allem dann, wenn dein späterer Aufgabenbereich die Erstellung oder Mitbetreuung des firmeneigenen Magazins beinhalten könnte.
Durch deine Bewerbung erste Einblicke in eine mögliche Zusammenarbeit geben und dem potenziellen, neuen Arbeitgeber die Chance bieten, deinen Sprachstil in seinem Firmenmagazin kennenzulernen: Das kann dir einen entscheidenden Vorteil bringen. Wie du das Anschreiben im Magazinstil konzipieren kannst, beleuchten wir in unserem heutigen Beitrag.
Das Design: Verknüpfe dich mit deinem Wunschunternehmen
Bevor du dich an deine Tastatur setzt und ein beliebiges Magazin nachbaust, blättere nach Möglichkeit die hauseigenen Printmedien des potenziellen Arbeitgebers durch. Hole dir Inspiration für dein Anschreiben im Magazinstil, indem du die einzelnen Elemente analysierst und überlege, welche Seite repräsentativ ist – sowohl für das Unternehmen als auch für dich.
Wähle mit Bedacht, da optisch schöne Seiten oft viel Bildmaterial erfordern. Hast du durch eine frühere Beschäftigung thematisch passende Fotos, ist eine stärker bebilderte Seite durchaus interessant. Aber Achtung: Stelle sicher, dass du über diese Bilder frei verfügen darfst, sonst könnte das gerade in einer Bewerbung beim Konkurrenten problematisch werden.
Hast du dich für eine Seite entschieden, kannst du mit deinem Anschreiben im Magazinstil schon in deiner Bewerbung eine direkte Verbindung zum Unternehmen herausstellen und aufzeigen, dass du der oder die passende Kandidat:in für die neu zu besetzende Stelle bist. Du lieferst quasi eine kleine Geschmacksprobe, wie deine Arbeit im Projekt „hauseigenes Magazin“ aussehen würde. Eine durchaus spannende Lösung für Berufseinsteiger:innen und Quereinsteiger:innen, die anderweitig keine relevanten Arbeitsproben einreichen können.
Praxiserprobtes Beispiel: das Anschreiben im Magazinstil
Entscheidend für die Kostprobe deiner Arbeit ist einmal mehr der Wiedererkennungseffekt: Genau wie die Titelseite einer Zeitung ist auch die Titelseite eines Magazins recht prägnant und lässt sich schnell als eben solche klassifizieren. Das Problem ist allerdings, dass sich eine solche Titelseite im Gegensatz zu der einer Zeitung aufgrund ihrer Struktur nicht für ein Anschreiben eignet. Sie bietet zu wenig Platz, dafür aber zu viel „Chaos“ in Form von vielen kleinen Texten, einem großen Bild und unterschiedlichen Schriftgrößen.
Es gilt also, eine Seite auszuwählen, die zwar den typischen Wiedererkennungswert eines Magazins mit sich trägt, zusätzlich aber auch gewisse Formalia einer Bewerbung beherzigt. Da viele Unternehmen hauseigene Magazine führen und entscheidende Elemente unterschiedlich anordnen, ist es zudem schwieriger ein gutes Beispiel aufzuzeigen.
Bietet dein Wunschunternehmen kein eigenes Magazin an, kannst du dich dennoch einiger Elemente bedienen, die sich in vielen Magazinen wiederfinden. Du musst nicht alle für dein Anschreiben im Magazinstil beherzigen. Triff eine gute Auswahl für dich und dein Wunschunternehmen, um trotzdem den Anschein eines zur Firma passenden Magazins zu erwecken:
1. Der Magazintitel
Beim Anschreiben im Magazinstil ist die klassische Adresszeile zugunsten eines prägnanten Magazintitels zu vernachlässigen. Ähnlich wie beim Zeitungsnamen sollte der gewählte Titel einen Bezug zu dir aufweisen, eine Erklärung zu deiner Bewerbungsabsicht beinhalten und wenn möglich eine Alliteration enthalten. Auf diese Weise bleibst du besser in Erinnerung. Wenngleich nur eine halbe Alliteration, wie wäre es für unsere Michelle Musterfrau zum Beispiel mit „Musterfraus Bewerbermagazin“? ![]()
2. Die Kategorie und der Slogan
Entgegen dem Erscheinungsbild einer Zeitung verzichtet ein Magazin zumeist auf ein großes Logo, stattdessen rücken zwei andere Elemente in den Vordergrund. Arbeitet dein Wunschunternehmen zum Beispiel mit Kategorien, könntest du die Kategorie „Bewerbergeschichte“ für dein Anschreiben im Magazinstil wählen.
![]()
Oder aber du setzt stattdessen auf einen Slogan: ein weiterer Unterschied zum Zeitungsformat. Er ersetzt quasi das Logo und sollte daher unbedingt eingebaut werden. Allerdings sollte er nach Möglichkeit auf dich zugeschnitten werden. Bewirbst du dich zum Beispiel bei der Wohnungsgesellschaft LEG und bringst bereits solide Kenntnisse und Berufserfahrung mit, könntest du vor deren Slogan „Gewohnt gut“ deine Top-Eigenschaften setzen und deinen Mehrwert für das Unternehmen in einem prägnanten Dreiklang zum Tragen bringen.
3. Der Aufbau
Genau wie das Zeitungsformat bietet auch ein Anschreiben im Magazinstil viel Platz für ausreichend Bewerbungstext. Ein wesentlicher Unterschied ist allerdings die Anordnung der einzelnen Elemente. Eine klare beispielhafte Linie zu zeichnen, fällt für ein Magazin aufgrund der unterschiedlichen Anordnungsmöglichkeiten allerdings schwer. Im Folgenden findest du daher einige Inspirationen, die du durch das hauseigene Magazin deines Wunscharbeitgebers stützen kannst:
3a. Die Anordnung des Titels, der Kategorie und des Slogans
Wenngleich viele Magazine einen andersartigen Aufbau aufweisen, haben sie zumeist eine Sache gemein: Der Name des Magazins thront nicht mittig über allen anderen Elementen. Oftmals findet sich der Magazinname mit etwas Abstand oberhalb der ersten Spalte links oder rechts oben in der Ecke. Zusammen mit dem Slogan oder dem Erscheinungsdatum, aber ohne Logo. In der jeweils anderen Ecke steht der Kategoriename.

3b. Die Bilder
Je nach gewählter Seite solltest du deinem Anschreiben im Magazinstil mehr oder weniger Bilder hinzufügen. Das kann von einem einzelnen großen Kandidat:innenbild über eine Fotomontage deiner Person in das Team-Bild des Wunscharbeitgebers bis hin zu einer Bilderreihe über jobbezogene Themen reichen.
3c. Zwischenüberschriften, deine Story und der Sprachstil
Deine „Geschichte“ beginnt im besten Fall auf der linken Seite und lenkt so den Fokus deines Wunscharbeitgebers sofort auf das Wesentliche. Da du über dich selbst in der dritten Person schreiben musst und im Gegensatz zum Zeitungsformat mehr Nähe zu deiner Person aufbauen solltest, bietet sich eine Reportage oder ein Portrait mit szenischen Abschnitten an:
- Der Beginn: Führe deine:n Leser:in bildlich gesprochen in dein kreatives Anschreiben im Magazinstil, indem du den Tag skizzierst, an dem du beschlossen hast, dich bei dieser Firma zu bewerben oder den Morgen beschreibst, an dem du die ausgeschriebene Stelle entdeckt hast: Beim morgendlichen Blick auf ihr Smartphone fällt Michelle Musterfrau ein Retweet der Firma XY ins Auge. Sofort besucht die Städterin (Stadtname nennen) die Online-Stellenbörse des Unternehmens, stößt auf die Ausschreibung zur Online-Redakteurin und beginnt mit Ihrer Bewerbung.
- Der zweite und dritte Paragraph: Nun doch das „Wo“ zuerst? Wie bereits erwähnt, muss deine Bewerbung am Ende ein schlüssiges Gesamtkonzept sein. Je nach Story kann das „Wo“ also auch die erste Information sein, sie muss es aber nicht. Es bietet sich aber dann an, wenn man über das „Wo“ bzw. das „Wie“ die Brücke zu den eigenen Qualifikationen, der Ausbildung und der Berufserfahrung schlagen kann.
- Vierter und fünfter Abschnitt: Warte in deinem Anschreiben im Magazinstil mit einer spannenden Ungereimtheit in deinem Lebenslauf auf, die dich menschlich und beruflich bereichert hat. Im Weiteren kannst du eine plausible, für das Unternehmen wertvolle Erklärung liefern, indem du deine Motivation für das betreffende Unternehmen zu arbeiten, herausstellst. Natürlich gestützt durch wörtliche Rede. Erneut deine Chance das Unternehmen direkter anzusprechen und von dir zu überzeugen. Bleiben wir beim Beispiel der Wohnungsgesellschaft: In der ungewissen Zeit des Work-and-Travel-Jahres war nur eines sicher: die digitale Schnittstelle in die Heimat. „Aber wie sagt man so schön? Zuhause ist es doch am schönsten.“
- Ein Absatz wörtlicher Rede: Wenngleich du schon vorab immer mal wieder einige O-Töne einstreuen kannst, gibt dir ein weiterer Absatz die Chance, deine Motivation für das Unternehmen klar und deutlich herauszuarbeiten. Hier kannst du deinen Wunscharbeitgeber offen ansprechen und dein Engagement hervorheben.
- Der folgende Paragraph: Diese Motivation kann im Schlussteil deines kreativen Anschreibens nochmals untermalt werden, indem du die Vorteile deiner Anstellung für die Wunschfirma nochmals unterstreichst.
- Der Schluss: Entscheidest du dich für einen szenischen Einstieg, vergiss die Klammerbindung nicht und beende die Reportage mit einem szenischen Ausstieg.
- Zwischenüberschriften: Bedenke, dass du im Magazinstil mehr Zwischenüberschriften einbauen musst, die wünschenswerterweise auch ohne den Text eine Kurzstory deines kreativen Anschreibens ergeben.
4. Titelzeile und Impressum
Wie schon beim Zeitungsformat müssen auch beim Anschreiben im Magazinstil die Adresszeile und das Datum an anderer Stelle vermerkt werden. Während das Datum zum Beispiel oben links neben dem Magazintitel stehen kann, finden sich deine Kontaktdaten abermals im Impressum deiner Bewerbung wieder.
Tool-Tipp
Mit entsprechender Kenntnis kannst du dein Anschreiben im Magazinstil selbst kreieren und eine eigene Vorlage gestalten oder – wenn vorhanden – den Aufbau des hauseigenen Unternehmens kopieren. Letzteres zeigt wiederrum eine größere Verbundenheit zur adressierten Firma und weist damit einen höheren Wiedererkennungswert und dadurch eine größere Vertrautheit auf. Um Zeit zu sparen, kannst du aber auch eine Vorlage verwenden und diese an das jeweilige Unternehmen anpassen. Ein interessantes Muster bietet Microsoft mit einer Vorlage für Word.
Der Wiedererkennungswert schafft Vertrauen
Noch viel mehr als eine Bewerbung im Zeitungsformat kann dir ein auf dich abgestimmtes, hauseigenes Firmenmagazin in die Karten spielen, denn in diesem Fall liegt der Wiedererkennungswert weit höher. Noch bevor der/die Empfänger:in deine Bewerbung überhaupt gelesen hat, erhält er/sie den Eindruck, dass du dich eingängig mit seiner/ihrer Firma beschäftigt hast. Eine gewisse Vertrautheit und Passgenauigkeit ist erkennbar, die dir den Weg ebnen kann, mit deiner Story herauszustellen, warum genau du der oder die richtige Kandidat:in bist.
Hebe dich also von der breiten Masse deiner Mitbewerber:innen ab und zeige deinem Wunscharbeitgeber deine Motivation, für und mit ihm zu arbeiten. Betone vom Inhalt bis zum Design, dass keiner/keine deiner Konkurrent:innen so gut zum Unternehmen passt wie du. Wie ein solches Anschreiben im Magazinstil aussehen kann, „zeigen“ wir dir mit unserem angehängten Praxisbeispiel.
Wir sind gespannt auf deine Erfahrungen und wünschen dir viel Erfolg bei der Jobsuche!
Zur kompletten Serie „Kreative Bewerbung“:
|
Dies ist der Karriereblog von LVQ.de. Unsere Artikel werden verfasst von unserem Redaktionsteam bestehend aus Angela Borin, Lars Hahn und Kay Pfefferkuchen.
Die LVQ Weiterbildung und Beratung GmbH bietet Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte und Akademiker. Unser Vollzeitangebot mit anerkannten Abschlüssen kann zum Beispiel über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden. Besonderes Augenmerk legen wir auf Online-Präsenzunterricht mit Dozent*innen aus der beruflichen Praxis und der weiterbildungsbegleitenden Unterstützung bei der Jobsuche.
Für Berufstätige bietet die LVQ Business Akademie entsprechende Weiterbildungen. Der Fokus liegt auf der Vermittlung fachspezifischer Themen aus dem gesetzlich geregelten Bereich. Inhouse-Seminare, Beratung und Schulungen für Unternehmen runden das Angebot der LVQ ab.
Angela Borin
Angela Borin ist die Leiterin Online-Marketing und digitale Kommunikation bei der LVQ. Seit Ende ihres Studiums sammelte die Sprachwissenschaftlerin strategisch und umsetzend Erfahrungen in Blog, Social Media und Online-Marketing bei einer Agentur, bei uns als Weiterbildungsinstitut und in der Dentalbranche. Zwischen ihren beruflichen Stationen hat Angela immer wieder neue Wege der Jobsuche ausprobiert und selbst zwei Weiterbildungen bei uns im Haus absolviert. Dadurch hat sie enge Berührungspunkte mit unseren ehemaligen sowie derzeitigen Teilnehmenden und lässt diese und andere Jobsuchende in ihren Artikeln rund um Berufsorientierung, Jobsuche, (Kreativ-)bewerbung, Netzwerken und Weiterbildung an ihren Erfahrungen teilhaben. [...]
Inhalt des Artikels
Themen
Keine Karriere-Tipps verpassen
Neue Beiträge, Podcast-Folgen und Jobmarkt-Insights – direkt in dein Postfach.
Meistgelesen
